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Chinesische Gärten

Chinesische Gärten sind dreidimensionale Kunstwerke bei der Gartengestaltung, Architektur, Landschaftsmalerei und Kalligrafie zu einer faszinierenden Einheit verschmelzen.

Chinesische Gärten werden in drei Typenaufgeteilt: der kaiserliche Garten (Landschaftsgärten auf großer Fläche, mit farbenprächtigen Gebäuden), Private Gärten von Gelehrten und reichen Kaufleuten (kleine Gärten mit hoher kultureller Dichte und reduzierten Farben und Tempel bzw. Klostergärten streng ausgerichtet auf die religiöse Bestimmung mit reduzierter Pflanzenauswahl.

Die chinesischen Gärten haben sich aus Parkanlagen entwickelt die den Herrschern zur Jagd dienten. Der erste Kaiser Qin Shi Huangdi eroberte 221 v. Chr. alle anderen Reiche und einte das Land damit zum ersten Mal. Als Pfand für den Frieden ließ er 120.000 reiche Familien, aus den unterworfenen Regionen in seine Hauptstadt Xianyang umsiedeln. In seinem Park Sanglin ließ er 145 Paläste der unterlegenen Königreiche nachbauen und aus allen Landesteilen wurden seltene Bäume, Pflanzen und Tiere den Park gebracht. Er hatte sich damit eine Miniatur Chinas geschaffen.

Später wurden die Parks kleiner und dienten den Kaisern zur Entspannung von höfischen Pflichten. Sie übten sich in Kalligraphie, Dichtkunst und  Malerei zudem wurden umfangreiche Bibliotheken in ihren Gärten angelegt. Die Tiere verschwanden dadurch immer mehr aus den Gärten.

Berge und Felsen hingegen erhielten immer stärkere Bedeutung. Die Kaiser waren immer auf der Suche nach Unsterblichkeit und die Unsterblichen leben der Legende zufolge, auf den drei Bergen im östlichen Meer und Kraniche dienen ihnen als fliegende Reittiere. Die Herrscher bauten Inseln und Berge in ihren Gärten und hofften, dass  die Unsterblichen in ihren Gärten rasten würden.

Dadurch wurden Inseln und Berge unverzichtbar für die Gartengestaltung.

Neben den Kaisern ist es auch bald hohen Beamten finanziell möglich, einen Garten anzulegen, um sich von den weltlichen Pflichten zu erholen. Die Politik soll aus dem Garten ferngehalten werden. Der Garten ist ein Ort der Ruhe, der Meditation, und der Kunst, er ist auch normalerweise nicht mit den Wohngebäuden verbunden. Wer den Garten betritt, gelangt in eine andere Welt.

Diese Privaten Gärten sind viel kleiner als Kaiserliche Parks, dadurch entstehen auf  engem Raum, eine Vielzahl von Landschaften und Räumen.

Diese Beamten sind sehr gebildet, kennen sich in Malerei, Kalligrafie und Poesie sehr gut aus und stehen der daoistischen Naturverehrung sehr nah.

Beim anlegen des Gartens entwickelte sich die Landschaftsmalerei immer mehr zur dominierenden Gestaltungsgrundlage. Landschaftsmaler waren damals die bevorzugten Gartenplaner, weil sie es verstanden mit der Natur eins zu werden.

Bei der Malerei ging es nicht darum das Objekt möglichst naturgetreu darzustellen, sondern gemäß der daoistischen Lehre, das innere Prinzip der Natur zu erkennen und für den Betrachter diese Emotion nachfühlbar zu machen. Chinesische Malerei ist eine Verbindung von Kalligrafie und Malerei. Schriftzeichen sind selbst kleine Bilder und beide werden mit Tusche erstellt. Dadurch entsteht ein harmonisches Gesamtkunstwerk.

Durch die Kombination mit der Schrift ist es möglich das eigentliche Element des Bildes nicht darzustellen.

Dazu zwei Beispiele: Bild1: Das einsame Kloster in den Bergen. Auf dem Bild ist ein winziger Mönch zu erkennen, der Wasser auf einem schmalen Gebirgspfad trägt. Das Tal liegt komplett im Nebel, die Bergspitzen sind nur angedeutet. Das Kloster selbst ist nicht zu sehen.

Bild2: Warten auf die Fähre. Auf dem Bild, ein enges Tal, auf beiden Seiten hoch aufragende Berge, man sieht Wasserfälle und ursprüngliche, dunkle Gebirgswälder und unten im Tal ganz klein, ein Mann der am Ufer steht.

Das Hauptmotiv wird oft durch Leere, weiße Flächen dargestellt. Das was man nicht sieht ist dennoch vorhanden. In allen Landschaftsbildern wird der Mensch in Harmonie mit der Natur dargestellt.

Auch in der Gartengestaltung geht es nicht darum, die Natur möglichst genau nachzubilden, sondern das Wesen der Natur zu erkennen. 



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